Prostatakrebs Neue Wege in der Behandlung

Autor: Thomas Kuhn

Die Triple-Therapie bringt Vorteile für High-Risk-/High-Volume-Patienten. © Mitmachfoto ‒ stock.adobe.com

Aktuelle Studien geben Grund zur Hoffnung: Sie liefern Hinweise darauf, dass die PSA-Werte gut auf auf eine Therapie mit Medikamenten ansprechen. Zudem bestätigen sie die Wirksamkeit von neuen Krebsmitteln bei einem auf Hormone ansprechenden, metastasierten Prostatakarzinom.

Von einem „metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom“ sprechen Ärzt:innen, wenn erstens der Tumor schon gestreut hat und zweitens auf eine Unterdrückung des männlichen Hormons Testosteron anspricht. Der Hintergrund: Das männliche Geschlechtshormon Testosteron stellt bei bestimmten Tumoren einen Wachstumsreiz für das Prostatakarzinom dar. Deshalb richtet sich bei einer solchen Erkrankung die Behandlung darauf, die Versorgung mit Testosteron zu unterbrechen – entweder durch Medikamente oder durch eine Operation. 

„Mit der Hormon-Unterdrückung versucht man das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten“, sagt Prof. Dr. Hubert Kübler von der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Zentrum Operative Medizin des Universitätsklinikums Würzburg. Der Experte schränkt jedoch ein: „Mit dieser Methode man kann die Erkrankung nicht heilen!“

Behandlung in Kombination

Welche Behandlungsotionen kann ein Patient bei dieser Diagnose erwarten? Prof. Kübler stellt fest: „Hat der Krebs schon gestreut, also Metastasen gebildet, spielt eine Operation nur eine untergeordnete Rolle. In einem solchen Fall, etwa bei weniger als drei bis vier Metastasen, gewinnt die Strahlentherapie an Bedeutung!“

Auch die aktuellen Behandlungsoptionen haben sich durch den Fortschritt der Forschung erweitert: „In den letzten Jahren haben wir gelernt, dass der einfache Hormonentzug nicht reicht“, erklärt der Experte. „Deshalb wird primär eine Kombinationstherapie zusammen mit einer Chemotherapie oder erweiterten Hormonentzugstherapie gewählt!“ Welche Behandlung im Einzelfall gewählt wird, richtet sich nach der individuellen Art der Erkrankung. Die Ärzt:innen unterscheiden hier zum Beispiel „High-Volume-“ oder „Low-Volume“-Tumoren bzw. High-Risk- und Low-Risk-Erkrankungen.

Aktuelle „Post-hoc-Analysen“ – also Auswertungen von Anwendungsstudien – geben dazu einige Hinweise. „Wir haben gesehen, dass Patienten in der Kategorie „Low Volume – Low Risk“ nicht unbedingt die idealen Empfänger für eine kombinierte Hormon-Chemo-Therapie sind“, sagt Prof. Kübler. „Hingegen zeigen sich bei „High-Risk-/ High-Volume-Patienten“ Erfolg versprechende Ansätze in der Triple-Therapie: Sie besteht aus Hormongabe plus Chemotherapie plus weiterer medikamentöser Behandlung.

Nebenwirkungen der Chemo-Hormon-Therapie

Hinzu kommt: Mit den bekannten Nebenwirkungen kann eine Chemo-Hormontherapie gerade älteren Patienten Probleme bereiten. So zeigte sich in einer der Studien zur Anwendung, dass Patienten eine Verschlechterung ihrer Lebensqualität beklagten. 

Eine solche Therapie wird meist durch Infusionen verabreicht. Dadurch, so eine Feststellung der Studie, können manche Patienten ihren gewohnten Aktivitäten nur eingeschränkt nachgehen. So kann es vorkommen, dass vom Patienten mit Prostatakrebs die Chemotherapie ablehnen. Zumindest aber zeigt sich, dass viele von ihnen dieser Form der Therapie nach wie vor kritisch bis ängstlich gegenüberstehen.

Neue Medikamente zeigen Wirkung

Doch es gibt Grund zur Zuversicht. Denn durch die zugelassenen Medikamente wie Apalutamid oder Enzalutamid erweitern sich die Behandlungsoptionen des hormonsensitiven Prostatakarzinoms. Die Aufgabe dieser Kombinationstherapie ist es, das Wachstum der Krebszelle weiter zu hemmen und Tumorzellen absterben  zu lassen. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um einen sogenannten „Androgenrezeptor (AR)-Inhibitor“, der sich an den Rezeptoren bindet und so in den Signalweg der Tumorzelle eingreift, indem er die Bindung von Geschlechtshormonen an die Rezeptoren blockiert. Neue Studien zeigen: Die Medikamente wirken – und werden von den Patienten gut vertragen. Ein weiterer Vorteil: Sie können auch nach einer Vorbehandlung, etwa nach einer Operation oder Strahlentherapie, bei den meisten Patienten eingesetzt werden.

Gibt es Hinweise auf Risikofaktoren, an Prostatakrebs zu erkranken? Prof. Kübler verweist auf Studien, die nahelegen, dass der westliche Lebensstil mit seiner Ernährungsweise das Entstehen von Prostata-Krebs begünstigen kann. „Zudem wissen wir mittlerweile, dass es bei einem geringen Teil der Tumoren eine familiäre Häufung gibt“, sagt der Experte.