Magenkrebs Neue Möglichkeiten und immer bessere Heilungschancen bei Magenkrebs

Autor: MPL-Redaktion

Viele Wege führen zur Heilung eines Magenkarzinoms. © pickup – stock.adobe.com

 Im Jahr 2016 betrifft die Diagnose voraussichtlich 9.200 Männer und 6.400 Frauen. Bei den Krebsneuerkrankungen steht Magenkrebs an achter Stelle bei Männern und an neunter Stelle bei Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei rund 74 Jahren. Heutzutage gibt es – dank der modernen Medizin – gute Therapie­möglichkeiten und Heilungschancen.

Magenkrebs entsteht, wenn sich Magenzellen unkontrolliert teilen. Je nachdem, von welchem Zelltyp der Tumor ausgeht, unterscheiden Onkologen verschiedene Arten von Magenkrebs. Meistens entarten Drüsenzellen der Magenschleimhaut. Mediziner sprechen dann von einem Adeno-Karzinom.

Erst der Status – dann die Therapie

Um die richtige Therapie festlegen zu können, muss zuerst das Tumorstadium abgeklärt werden – das sogenannte TNM-Stadium. Der Tumor wird in Schweregrade eingeteilt, und zwar hinsichtlich seiner Ausdehnung (T), des Lymphknotenbefalls (N) und möglicher Metastasen (M). „Für den Magenkrebs bedeutet das, wir untersuchen, welche Schichten der Magenwand betroffen sind, ob Lymphknoten befallen sind und ob es Absiedlungen in anderen Organen gibt“, erklärt Prof. Wedemeyer.

Das geschieht zum einen mithilfe der Endosonographie, einer Ultraschalluntersuchung, bei der der Schallkopf in den Körper eingebracht wird. So erkennen die Ärzte die Tumoreindringtiefe in die Magenwand oder einen etwaigen Lymphknotenbefall. Zum anderen erstellen sie Röntgenbilder mithilfe einer Computertomographie, um mögliche Absiedlungen vor allem in Leber, Lunge, aber auch anderen Organen zu erkennen.

Unter Umständen kann es sogar erforderlich sein, eine sogenannte „Staging-Laparoskopie“ durchzuführen. Im Rahmen einer kleinen Operation wird dabei die Bauchhöhle von innen betrachtet. Mit dieser Methode lassen sich am sichersten Absiedlungen eines Tumors in der Bauchhöhle feststellen.

Die Stadien des Magenkrebses

Die Schwere der Erkrankung zeigt sich vor allem daran, wie weit die Krebszellen schon in die Magenwand eingedrungen sind. Beim Stadium I zum Beispiel zeigen sich Veränderungen des Gewebes nur auf der obersten Schicht der Schleimhaut – sie können leicht entfernt werden. Im Stadium IV hingegen ist die Magenwand schon durchbrochen.

Die Strategie der Behandlung richtet sich nach dem Stadium des Tumors

Frühe Tumorstadien, also ohne tiefere Infiltration und Lymphknotenbefall, werden primär operiert. In sehr frühen Stadien kann ein Magenkarzinom sogar mit dem Endoskop, also durch den Mund und ohne Operation entfernt werden!“, so Prof. Wedemeyer. Die gute Nachricht lautet: Danach ist die Behandlung bereits beendet. Ab dem Stadium II bis zum Stadium III erfolgt eine sogenannte neoadjuvante Therapie: Vor der Operation erfolgt zuerst eine Chemotherapie.

Der Tumor ist nämlich bereits tiefer gewachsen und zudem können Absiedlungen vorhanden sein – in Lymphknoten oder Organen. „Die Medikamente machen den Tumor operabler und bekämpfen die Absiedlungen. Erst anschließend erfolgt die Operation des Tumors“, beschreibt Prof. Wedemeyer die Behandlung und fügt hinzu: „Nachfolgend wird erneut eine Chemotherapie durchgeführt.“

Dieses Mal soll sie dafür sorgen, dass keine Rezidive – also weitere Tumoren aus nicht sichtbaren, winzigen Absiedlungen – entstehen. Ob die Chemotherapie auch entsprechend anschlägt, wird während der Behandlung mit einer Magenspiegelung überprüft.

Nach fünf Jahren gilt der Patient als geheilt

Die medizinische Forschung und Entwicklung geht weiter. So haben sich bei den Chemotherapien Verbesserungen ergeben. Bei circa 20 Prozent der Magenkarzinome findet man einen bestimmten Tumormarker vermehrt an der Oberfläche der Tumorzellen. Mit einem Antikörper gegen diesen spezifischen Marker konnte selbst bei einem fortgeschrittenen Magenkarzinom das Überleben verbessert werden.

Nach Beendigung der Therapie heißt es abwarten. Tritt in den folgenden fünf Jahren kein Tumor mehr auf, gilt der Patient als geheilt. Allerdings zeigen sich die meisten Rezidive in den ersten drei Jahren nach der Erkrankung, sodass schon nach diesem Zeitraum eine gute Prognose besteht.


Prof. Dr. Jochen Wedemeyer, Leiter der Klinik für Innere Medizin im Klinikum Robert Koch, Gehrden © Privat